Domols...

Eine Reise durch die

Geschichte unseres Orchesters

 

1. Feuerwehrkapelle

Im Jahre 1925 gründete Willi Wagner die Kapelle der freiwilligen Feuerwehr. Auf Veranlassung des damaligen Feuerwehrkommandanten August Schleusner gelang es Wagner in Rilchingen-Hanweiler erstmals eine Blaskapelle ins Leben zu rufen. An aktiven Interessenten für die entstehende Kapelle fehlte es nicht, gab es doch einige Feuerwehrleute (Andreas Burger, Peter Burger, Heinrich Erdmann und Gotthold Hötzel), die das Signalhorn bliesen. Dieses einfache Blasinstrument, früher als wichtiges Feuerwehrsignal verwendet, wurde in Hanweiler bis in die Fünfziger Jahre sonntagsmorgens zum Wecken geblasen. Zu dieser Bläsergruppe gesellten sich auch die Trommler Fritz Kehl, Karl Krämer und Jakob Ranker. Zur Gründung einer Blaskapelle war also schon ein Grundstock vorhanden. Idealismus und Bereitschaft bildeten zwei weitere grundlegende Faktoren. Nur wer sollte die Feuerwehrleute die Musik lehren? Die meisten konnten noch keine Noten lesen, geschweige denn danach spielen. Theoretischer Unterricht war somit eine Pflichtübung, bevor überhaupt eine praktische Musikprobe abgehalten werden konnte. Ein junger Mann, damals 26 Jahre alt, sollte die entstehende Kapelle übernehmen. Willi Wagner, ein Militärmusiker, den ersten Weltkrieg noch gut in Erinnerung, war als Klarinettist beim Stadttheater Saarbrücken angestellt. Wie er selbst berichtet, machte eine Schultafel bei der Gründung der Kapelle Geschichte. Eine Schultafel, eine grosse echte Schultafel war es, die er aus den Händen des damaligen Lehrers Kasper erhielt. Ein willkommener Beitrag für den theoretischen Unterricht. Wagner verstand es nicht nur, seinen Feuerwehrmännern das Notenlesen beizubringen, sondern gab ihnen auch das mit, was für eine musikalische Praxis notwendig war. Seine musikalische Ausbildung auf der Militärmusikschule Berlin machte sich besonders beim Aufbau der Kapelle bezahlt. Als geeignetes Probenlokal stand die alte Schule, der heutige Bockstall, zur Verfügung, wo 15-17 Musiker genügend Platz fanden. In den ersten Proben begann man zuerst mit einfachen Chorälen, später mit einfachen Märschen, auch teilweise mit Unterhaltungsmusik. Bei religiösen Anlässen war die Kapelle immer dabei, so gab sie seit ihrem Bestehen der Fronleichnamsprozession den musikalisch festlichen Rahmen. Wagner machte es sich dabei nicht leicht. Für die Fronleichnamsprozession waren nur die Gebetbuchnoten vorhanden. So schrieb er für jede einzelne Stimme die Noten, bei ca. 15 Musikern eine Heidenarbeit. Die Kapelle durfte besonders beim Marschieren kein schlechtes Bild abgeben. So wurde auf der Landstrasse nach Sitterswald, damals noch mehr feldweg als Strasse, fleissig der Gleichschritt trainiert. Einer der Höhepunkte im Vereinsleben der Kapelle war ein gemeinschaftliches Konzert im Saale Hoffmann in den 30er Jahren, welches zu dieser Zeit das einzige Lokal des Ortes war, das über einen Saal verfügte, wo fast ausschliesslich alle grösseren Feste der Vereine veranstaltet wurden. Unter der Leitung von Organist Schmiegler wurde mit dem kath. Kirchenchor, dem Männergesangverein sowie der Kapelle der "Einzug der Gäste auf der Wartburg" aufgeführt. Ein Konzert, das jedem Beteiligten in Erinnerung blieb. Als Kurorchester war die Kapelle im Kindererholungsheim gefragt. Dort spielte man oft auf Festen und Kinderumzügen, die durch den Ort führten. Wie es auf dem Dorf üblich ist, unterstütze die Kapelle ebenso die Ortsvereine, indem sie Festen des Sportvereins, Kirchenchores und Männergesangvereins den musikalischen Rahmen verlieh. So ergab es sich mitunter, dass neben Unterhaltungs- auch Tanzmusik gespielt wurde. Und wie das bei Musikern so üblich ist, tagte man oft bis zum frühen Morgen. Zehn Jahre leitete Willi Wagner die Geschichte der Kapelle, wodurch sie zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestadteil des Kulturlebens der Gemeinde geworden war. Nach der Übergabe im Jahre 1935 an ..?.. Schmidt verflachte leider das Niveau des kleinen Orchesters. Schmidt, der in der damaligen Hanweiler-Strasse wohnte (Dr. Kirbs-Strasse bei Max Streit), dirigierte ca. 2 Jahre die Kapelle und übergab danach den Taktstock an Paul Huck. Dieser übernahm die Leitung bis 1939 - Beginn des 2. Weltkrieges. Danach war eine Möglichkeit zum Proben nicht mehr gegeben. Die Wirren des 2. Weltkrieges waren für die einst schöne Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr zum Grabe geworden.

 

2. Hanweiler Musikkreis der Blasmusiker

Zur Zeit als Pastor Backes in Hanweiler noch Seelsorger war (Mission) 1947/48, ergriff Lehrer Werner Lang die Initiative und setzte, wenn auch zu Beginn bescheiden, einen wichtigen Meilenstein in der Hanweiler Musikgeschichte.

Mit knapp zwei Händen voll Musiker bildete er einen Musikkreis und schuf damit unbewusst den Vorläufer des späteren Blasorchester im kath. Kirchenchor. Mit Andreas Burger, Peter Burger, Franz Rausch, Richard Hötzel, Alois Ranker, Luitpold Schild und Johann Grün; Aushilfsweise: Herr Schrader (Brebach), Peter Lang (Sohn von Werner Lang).

Es fanden sich lediglich zwei Musiker der damaligen Freiwilligen Feuerwehr Kapelle zu einem kleinen Orchester zusammen. Erster Auftritt war die musikalische Gestaltung einer Prozession in Hanweiler 1948. Bei dieser Prozession handelte es sich wahrscheinlich um die Ostermette 1948; zu dieser Zeit machte man einen Umzug um die Kirche  Gedächtnisstütze von Werner Lang: Schrader hatte sich über die Handhabung von Fackeln geärgert. Ab diesem Zeitpunkt wurden von diesen Musikern jedes Jahr die Fronleichnamsprozession musikalisch mit Kirchenliedern umrahmt.

 

3. Choräle und Kameradschaft

Die Auswahl an Musikstücken für Bläser war zu der damaligen Zeit nicht gerade vielseitig. So musste man sich (zwangsläufig) auf Choräle und wenige konzertante Stücke beschränken. Das Probelokal der Musiker war zunächst das Wohnhaus in der Dr. Kirbs-Strasse 44 und später in der Saarstrasse, beide Wohnsitz von Werner Lang. Die Proben waren nicht auf einen bestimmten Wochentag festgelegt, sondern wurden von Lang nach Bedarf bestimmt. Sein Sohn Peter musste mit dem Fahrrad jeden einzelnen zusammentrommeln. Da konnte es sein, dass die Probe z.B. von 21:00 bis 24:00 Uhr im Wohnzimmer von Langs stattfand. Es ist nicht zu verleugnen, dass Bier und Wein "nie fehlten". Solange Berta nachschenkte lief alles wie geschmiert. So konnte es passieren, dass das Musizieren immer flüssiger wurde, und der Uhrzeiger die 12 weit überholte. Doch es wurde aber auch auf musikalische Qualität Wert gelegt. Hervorzuheben ist hier ein für die damalige Zeit grosses Kirchenkonzert bei dem u.a. das "Halleluja" von G.F. Händel mit Chor und Orchester unter der Leitung von Fritz Robert am 15. August 1948 aufgeführt wurde.

4. Blasorchester im katholischen Kirchenchor. Ein Streichorchester in Hanweiler

Der Gedanke im kath. Kirchenchor eine neue Sparte "Musik" zu schaffen, kam von dem damaligen 1. Vorsitzenden, Jakob Hell in den Jahren 1950/51. Er beabsichtigte eine 2. Sparte "Streichorchester" zu gründen und zusammen mit dem Chor bei hohen Festen (in der Kirche) aufzutreten. An die Gründung eines Blasorchesters wurde zunächst nicht gedacht, da das Musizieren mit Bläsern in den Kirchen seitens der Diözese nicht erlaubt war. Anderseits mangelte es nicht an jungen Musikern (ca. 5 bis 6 Jungmännern), die bereits die Geige beherrschten oder die noch in musikalischer Ausbildung waren. Somit lag der Gedanke nah, das Kulturleben des Ortes durch ein Streichorchester zu bereichern, das aber vorerst nur bei religiösen Anlässen auftreten sollte und eine instrumentale Bereicherung des Chores gewesen wäre. Das hoffnungsvolle Vorhaben scheiterte aber dann, da der Musiklehrer (Violine) Geilert aus Sarreguemines, der für die Leitung vorgesehen war, absagte. Auch Lehrer Werner Lang wurde gefragt. Dieser leitete bereits seit 1947/48 einen Musikkreis von Bläsern. Doch auch er lehnte mit der Begründung ab, er sei nicht für die Ausbildung und Leitung von Streichern geeignet, sein Interesse läge mehr bei der Blasmusik.

5. Widerstand im Verein

Jakob Hell wurde es dabei nicht leicht gemacht, denn ein grosser Teil des Vorstandes leistete bei der Gründung und dem Aufbau der neuen Sparte erbitterten Widerstand, der sich leider fast bis zur Trennung der beiden Sparten in separate Vereine fortsetzen sollte. Da die Voraussetzungen für einen geeigneten Leiter des Streichorchesters fehlten, gab es nur noch eine Alternative: Gründung eines Blasorchesters. Auch hierzu war der Grundstock schon vorhanden, da mit Lehrer W. Lang und seinen Bläsern immerhin ein kleines Orchester schon Bestand hatte. Zum Ankauf der Instrumente wurde an das Kultusministerium ein Antrag auf  Zuschuss  eingereicht, der mit stolzen 100.000,00 Frs. quitiert wurde. Die Gemeinde (Rilchingen-Hanweiler) honorierte dem Orchester 50.000,00 Frs. und der Vereinssäckel wurde mit 20.000,00 Frs. strapaziert. So war es möglich, dass im Spätsommer 1952 Kunibert Luck vom Musikhaus FC Louis, Saarbrücken, eigens nach Rilchingen ins Gasthaus Rech kam und die erforderlichen Instrumente mitbrachte. Man beschränkte sich auf 6 bis 7 gebrauchte Instrumente; neue konnte man sich in dieser Zeit noch nicht leisten, denn auch Notenmaterial musste angeschafft werden. Dieser Zeitpunkt des Spätsommers 1952 wird heute als Gründungsdatum angenommen. Um das neue Blasorchester noch zu erweitern, suchte sich Lang Leute aus, von denen er annahm, dass sie in seinen Kreis passten. Dies waren: Karl Bender, Willy Hell, Toni Hell, Karl Bähr, Wolfgang Robert, Peter Lang. Später folgten: Adolf Fischer, Josef Baltes, Norbert Kehl.

 

6. Episoden

Der erste Auftritt der Sparte Blasorchester liess nicht lange auf sich warten, denn wie schon in den Vorjahren wurde an Heilig Abend an verschiedenen Stellen des Ortes Weihnachtslieder vorgetragen. Unter der Bevölkerung wurde dieser Brauch mit Zuneigung angenommen. Das zeigt sich aus einer Begebenheit, es mag Weihnachten 1953/54 gewesen sein, als Benno Neumann (damals prakt. Zahnarzt) die ganze Kappelle am Heilig Abend zu einem guten Essen zu sich einlud. Der neue Pfarrer Litz, der sich für die Musiker des Kirchenchores immer begeisterte, war für dieses Weihnachtsmusizieren jedoch ganz und gar nicht angetan. Nach einigen Jahren wurden aus diesem Grunde die Auftritte eingestellt.

 

 

 

7. Hinter den Schlehenhecken

In  einem Musikerleben tragen sich immer wieder Episoden zu, mit einem lustigen oder erfreulichem Hintergrund. So kam es, dass weder das Stammlokal noch ein Wohnzimmer eines Aktiven für eine dringende Musikprobe zur Verfügung stand. Auf Geheiss des Dirigenten Lang wurde eben dann eine Probe im Freien angeordnet. Da auf der Strasse den Anwohnern eine Probe nicht zuzumuten war, fand man sich sonntagsnachmittags am Rittersweg hinter den grossen Schlehenhecken ein; dort konnte man dann mit dem gesamten Orchester intensiv und eifrig probieren.

Ein wichtiger Auftritt in dieser Anfangszeit war sicher die Primitz von Hugo Heinen am 4. April 1954. Choräle und Kirchenmusik waren eine Stärke des Dirigenten Lang. Als Komponist und Arrangeur, so z.B. die Messe "Salve Regina" für Chor und Orchester stammen aus seiner Feder. Hervorzuheben ist auch eine Komposition eines Konzertstückes, das am 100-jährigen Jubiläum der Pfarrei aufgeführt und auch durch den Saarl. Rundfunk im Jugendheim aufgezeichnet wurde. (August 1962)

 

8. Auch Hausmusik

Die Proben des Orchesters fanden etwa ab 1958 im Gasthaus Rech statt (das Nebenzimmer war noch nicht erbaut) und später im Gasthaus Butterbach. Register- und Satzproben wurden jedoch meistens im Wohnzimmer von Werner und Berta Lang  in der Saarstrasse abgehalten. Und wenn man einmal viel Zeit hatte, gab es auch interne Aufführungen (z.B. das Septett von L.v. Beethoven), denn Lang liebte es, im kleinen Kreis die Hausmusik zu pflegen.

9. Auftritte mit Herz

Vergessen darf man nicht die Auftritte bei den zahlreichen Sommerfesten des Kirchenchores zunächst bei den Barmh. Brüdern (im Pavillion) und später in Butterbach's Garten in Alt-Rilchingen. Das war die Gelegenheit um das zu spielen, was man im passenden Stil von einem Blasorchester erwartete: Märsche, Polkas und Walzer. Die typischen Märsche der Nazizeit waren passé, dafür gab es immer noch genügend deutsche Märsche, die jedem Liebhaber das Herz höher schlagen liessen. Und da gab es noch im Repertoire "Prussische Märsche" (preussische Märsche) ein altes Heftchen, das die Hanweiler Musiker so oft benutzten, dass es bald total vergriffen war. Als letzter Auftritt des ersten Leiters und Dirigenten beschloss Lang vorerst seine 10-jährige Tätigkeit mit der Aufführung seiner eigenen Komposition an der 100-Jahr-Feier, da er kurz darauf (1963) nach Sitterswald umzog.